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Evolution oder Revolution?
Studie über freie Journalisten
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Evolution oder Revolution?

Einmal mehr, sofern man sich auf die letzten Statistiken des WEMF verlassen kann, leidet die Tagespresse unter den Veränderungen, die man gegenwärtig in der schweizerischen Presselandschaft beobachten kann. Dies ist keine Schweizer Besonderheit. Der ganze Planet ist vom Rückgang des Werbeaufwandes betroffen. Hat die Wirtschaft der Presse den Krieg erklärt? Die Fachpresse jedenfalls ist nicht davon betroffen, denn sie weist einen Inseratenzuwachs von 2,1% aus. Dies ist nicht viel, doch eine Welt vom 20,1-prozentigen Inseratenverlust der Tagespresse entfernt. Ein Grund zur Euphorie ist trotzdem nicht gegeben. Die Verleger und Journalisten der Fachpresse sollten den sich abzeichnenden Trend nicht unterschätzen: Die Zentren der Interessen für Inserenten scheinen sich zu den neuen Kommunikationstechniken zu verschieben, und zwar in Richtung Internet und Mobiltelefonie.

Zur Zeit meiner Kindheit war die Stunde der Nachrichten am Radio eine heilige Sache. Zweimal am Tag, mittags und abends, horchten alle gleichsam in religiöser Verzückung der Stimme des Nachrichtensprechers, um etwas über die neusten Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Welt sowie das mutmassliche Wetter des nächsten Tages zu erfahren. Heute werden uns neuste Nachrichten stündlich verabreicht, von einigen Sendern halbstündlich. Zudem werden die Programme zu jeglicher Tageszeit von den Mitteilungen über die Ereignisse auf den Strassen unterbrochen.

In den Vereinigten Staaten werden die Fernsehzuschauer permanent mit Neuigkeiten versorgt, und dies oh ohne besondere geistige Anstrengung mit dem, was vor einer Viertelstunde schon ausgestrahlt wurde. Wesentlich scheint nicht mehr die Versorgung mit Informationen, sondern der Wahn, dass man über die allerletzten Ereignisse auf dem Laufenden sei.

Die Fachpresse hält zweifelsohne den erodierenden Strömungen der Zeit besser entgegen als die Tagespresse. Sie darf aber ihre Trümpfe nicht aus der Hand geben. Sie soll darüber wachen, dass ihr gute Karten bleiben, und zwar durch Steigerung der Qualität, ihre Spezialisierung, ihre Seriosität. Dies alles sollte möglich sein, ohne sich den Entwicklungen auf dem virtuellen Informationsmarkt zu verschliessen.

Jeder und jede von uns muss sich tüchtig anstrengen, um in der sich schnell verändernden Presselandschaft seinen/ihren Platz zu halten oder zu finden. Die gegenwärtige Weltfinanzkrise wird die Veränderungen nicht bremsen.

Pierre-Henri Badel



 
 
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