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Von Haar bis Hybris

Während die Etymologen der Dudenredaktion das Kapitel H erst mit dem Haar beginnen, haben jene des gelben Bandes bereits zu ha eine Erklärung: 10 000 Quadratmeter, genannt Hektare. Dies bedeutet 100 Aren. Ha ha! Die Fläche hat sich in ein Gelächter verwandelt. So einfach ist das. Komplizierter wird die Sache, wenn wir beim Haar verweilen. Die Lautfolge steht für ein einzelnes Haar, aber auch für die Gesamtheit der grauen Fäden, die auf meinem Haupt verblieben sind. Die indogermanische Wurzel heisst ker, sogar mit Verwandtschaft zu „scherst’, was für Russen Wolle bedeutet. Für die exakte übersetzung setzt man aber russisch „volos“, was dem lateinischen „pilus“ eher gleicht als dem deutschen Wort. Im Volksglauben ist das Haar ein Symbol der Kraft. Denken Sie an die Geschichte von Samson. Man hat Haare auf den Zähnen und man lässt kein gutes Haar am Pelz eines Widersachers. Und wer mehr wissen will, klicke auf das Wikiwörterbuch, welches übersetzungen in über 20 Sprachen angibt.


Kleiner Sprung zum Verb haben. So klar, so einfach, und doch: Im Anfangsstadium seiner Existenz bedeutete das Wort eher „fassen, packen“ und erst nach einer sanften Metamorphose erhielt es die heutige Bedeutung von halten, haben. Mit dem lateinischen Verb habere (geben), soll es nichts gemein haben. Oder doch? Nur was man gebe, habe man wirklich, behauptet ein georgisches Sprichwort.

Wenn Sie meinen, der Ausruf Hallo! Sei aus dem Englischen geschnappt, dann täuschen Sie sich. Es handelt sich eher um ein Kind des althochdeutschen Imperativs halön. Mittelhochdeutsch war es gleichzusetzen mit rufen, holen. Und doch, der Umweg über England zu uns ist belegt. Als Grussformel kam es von der Insel zu uns.

Eine Hose sei eine Hose, alles klar? Eben nicht. Das Wort bedeutete im Althochdeutsch erst ein Kleidungsstück für Unterschenkel und Füsse, was eher einem heutigen Stiefel gleicht. Es waren einst Tuch- und Lederlappen, welche die alten Germanen um ihre Unterschenkel und Füsse schnürten. Erst seit dem 16. Jahrhundert gibt es ein Kleidungsstück für Unterleib bis zu den Füssen, das als Hose bezeichnet wurde und diese Bedeutung bis heute behielt.
Es wäre dieses Kapitel nicht zeitgemäss, wenn ich nicht die Hure unter die Lupe nehmen würde. In einem deutschschweizerischen Wörterbuch würde es heute etwa vier von insgesamt 8 Bänden füllen, denn bei der jungen Generation ist alles huereschön oder huereblöd oder hueregemein oder hueremegagigakomisch. Was steckt aber wirklich hinter der Hure? Von Anbeginn an in der germanischen Sprachgruppe war es die aussereheliche Beischläferin. Im Latein bedeutete das verwandte Wort „carus“ lieb, teuer, wert.

Hybris ist altgriechischer frevelhafter übermut, also so etwas wie Grössenwahn. Die erste Bedeutung des Adjektivs hybrid ist denn auch „überheblich“. Heute oft gebraucht wird es aber nach der zweiten Bedeutung, nämlich zweierlei Herkunft bezeichnend. So ist ein Hybridwagen nicht nur ein Auto mit zweierlei Antriebssystemen, sondern auch als Wort hybrid.
JT

 

 



 
 
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