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Basler und Freiburger Fachjournalisten begegnen Robotern

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein präsentiert noch bis 14. Mai 2017 die grosse Übersichtsausstellung „Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ , die den aktuellen Boom der Robotik erstmals eingehend untersucht. Sie zeigt, wie vielgestaltig Robotik heute ist und weitet den Blick für die ethischen, sozialen und politischen Fragen, die mit dieser neuen Technologie verbunden sind. Die Ausstellung umfasst mehr als 200 Exponate aus Design und Kunst, darunter Roboter aus dem Wohn- und Pflegebereich und der Industrie, aber auch Computerspiele, Medieninstallationen sowie Beispiele aus Film und Literatur.

Von Christian B. Schäffler (CBS KULTUR INFO, Basel)

Design spielt massgebliche Rolle als Vermittler zwischen Mensch und Maschine

Der BEBBI-STAMM Basel des Verband Schweizer Fachjournalisten (SFJ) und Journalistenfreunde aus Freiburg im Breisgau erhielten am 11. April, unter der versierten Führung durch die Kurator-Assistentin Erika Pinner, einen umfassenden Einblick in die komplexe Welt der intelligenten Maschinen. Die Besichtigung wurde von Suzanne Schwarz fachgerecht eingefädelt.

Auf dem Weg durch die Ausstellung begegneten wir 14 Leitfragen. Diese gingen von „Sind sie schon einmal einem Roboter begegnet?“ über „Vertrauen Sie Robotern?“ und „Denken Sie, Ihr Job könnte von einem Roboter übernommen werden?“ weiter zu „Hätten Sie gerne, dass sich ein Roboter um Sie kümmert“ bis letztlich zu „Tritt der Roboter an die Spitze der Evolution?“.

Bereits im ersten Saal, der aussah wie ein Kinderzimmer, trafen wir auf die ersten fremden Spezies, die Roboter. Der Begriff „Roboter“ wurde übrigens, so unsere Ausstellungsführerin Erika Pinner, zum ersten Mal 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek verwendet. Er hatte für sein Theaterstück „R.U.R.“ (Rossumovi Univerzální Roboti) die Werbeslogans formuliert: „Die billigste Arbeitskraft, die Sie kriegen können: Roboter“, „Jeder sollte einen Roboter haben“ und: „Reduzieren Sie die Kosten Ihres Produkts, bestellen Sie noch heute einen Roboter!“.

Dem Ausstellungskonzept folgend näherten wir uns der Roboterwelt in vier Schritten. Im ersten Teil „Science und Fiction“ ging es um die alte Begeisterung der Moderne für den künstlichen Menschen und darum, wie die Populärkultur unser Verständnis von Robotern geprägt hat. Im zweiten Teil „Programmiert auf die Arbeit“ ging es um jenen Bereich, in dem die Robotik ihren Durchbruch erlebte: Industrie und Arbeitswelt. Während der Roboter in diesem Kontext heute immer wieder als Bedrohung für den Arbeitnehmer beschrieben wird, beleuchtet „Hello, Robot.“ die aktuelle Debatte um dieses Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Die Bandbreite der Exponate reicht hier vom klassischen Industrieroboter bis zu einer Installation der Gruppe RobotLab, bei der ein Roboter am laufenden Band Manifeste produziert und damit hinterfragt, wo die Grenzen zwischen automatisierbarer Arbeit und menschlicher Kreativität liegt. Im dritten Ausstellungsteil „Freund und Helfer“ kam man der neuen Technologie noch näher – etwa als Gehilfen im Alltag, im Haushalt, in der Pflege, als digitaler Kamerad oder gar beim Cybersex. Der vierte Teil „Eins werden“ beschäftigte sich mit der zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Robotik, etwa, wenn wir in einem „lernenden“ Gebäude leben, uns in einer so genannten „smart city“ bewegen oder uns intelligente Sensoren einpflanzen lassen.

Bekanntlich hat die Robotik Im letzten Jahrzehnt mit der Digitalisierung eine radikale Neudefinition erfahren. Roboter bauen nicht mehr nur Autos und Waschmaschinen oder transportieren uns in selbstfahrenden Zügen von einem Flughafenterminal zum anderen, sondern treten nun in verschiedensten Formen in Erscheinung – von kommunizierenden Haushaltgeräten, dem sogenannten Internet der Dinge, bis zu selbstlernenden Algorithmen in Computerprogrammen, kurz Bots genannt. Während die Robotik früher eine Domäne von Ingenieuren und Computerexperten war, wirken heute Designer prägend am aktuellen Boom der Robotik mit. Denn oft entscheiden sie, wie und wo wir Robotern begegnen, welche Beziehung wir zu ihnen aufbauen und wie wir mit ihnen interagieren – oder sie mit uns.

Fazit: Wir müssen uns – als Individuum und als Gesellschaft – fragen, wie gehen wir mit neuen Technologien um. Fangen wir mit dem Nachdenken über die 14 relevanten Fragen dieser hervorragend konzipierten Ausstellung schon heute an.

 

Exkurs in den Roboter-Journalismus … bis hin zum Sensor-Journalismus

Die Ausstellung „Hello, Robot.“ befasst sich auch mit der Herstellung computergenerierten Texte ein. Bei der Installation „Manifest“ schreibt ein Roboter laufend aus jeweils acht Sätzen bestehende Manifeste auf Din-A4-Blätter und greift dabei auf einen Grundwortschatz zurück, der Begriffe aus Kunst, Philosophie und Technik beinhaltet.

Bereits heute ist automatisierter Journalismus oder Roboter-Journalismus in einigen Bereichen Wirklichkeit: Zum Beispiel im Sportjournalismus, bei der Erstellung von Spielberichten. Auch Finanz-, Wetterberichte oder Meldungen zur Verkehrslage können heute automatisch erzeugt werden. Überall dort, wo grössere Datenmengen zur Verfügung stehen und entsprechende Routinen in der Berichterstattung vorliegen, ist prinzipiell „Roboter-Journalismus“ denkbar.

Heute schreiben Computer für die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) standardisierte Sport- und Finanzberichte. Dabei setzt AP eine Software der Firma Automated Insights ein, die pro Quartal rund 4‘000 standardisierte Berichte erzeugt. Reporter schaffen nur ein Zehntel dieses Pensums. Bis zum Jahre 2020 will die AP 80 Prozent ihres Nachrichtenangebots automatisieren.

Automatisierter Journalismus darf Redakteure nicht ersetzen, sondern sollte sie in ihrer Arbeit unterstützen. Bei automatisch erstellten Texten sollte vor der Veröffentlichung eine gründliche Prüfung durch den jeweiligen Redakteur obligatorisch sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Meldung korrekte Angaben enthält. Denn: Roboter-Journalismus ohne Mensch geht überhaupt nicht.

In innovativen Journalistenkreisen diskutiert man längst nicht mehr über Roboter-Journalismus – der kommt sowieso. Das neue heisse Ding ist: Die Kunst, das Internet der Dinge zum Reden zu bringen. Er verbindet die Vorzüge des klassischen Journalismus mit neuen technologischen Möglichkeiten: Reporter trifft Technologie. Die Idee ist eigentlich nahe liegend: Wenn in Zukunft alles mit Sensoren ausgestattet und vernetzt wird, und diese Daten sowieso vorliegen, wieso sollte man sie nur den Googles und Facebooks dieser Welt überlassen? Gemäss einer WEF-Umfrage von 2015 bei IT-Spezialisten rechnet man, dass ab 2020 so gut wie alles vernetzt sein: Kleidung, Wohnungen, Implantate, Brillen, Verkehrsleitsysteme, die Energie-Infrastruktur. Wieso nicht die Daten einsammeln, auswerten und die Geschichten erzählen, die sich daraus ergeben?

Zum Schluss ein Trostwort des Journalistik-Professor Thomas Hestermann: „Guten, phantasievollen Journalismus wird auch in 50 Jahren kein Roboter produzieren.“

 

Kurzer Videoclip über Roboter Journalismus

 

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