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Nein, diese Suppe ess ich nicht

Das Medienpaket hat an der Urne Schiffbruch erlitten. Und zwar deutlicher als erwartet. Was waren die Gründe? Pete Mijnssen sucht eine kulinarische Erklärung.

Am Anfang stand eine schlanke Bundesratsvorlage, welche etwa die unbestrittene Postzustellungsverbilligungen weiterführen und einige zusätzliche, politisch unverdächtige Punkte neu verankern wollte. In Form eines klaren, stärkenden Süppchens wie man es oft vom Bundesrat vorgesetzt bekommt. Vielleicht etwas fade, aber mehrheitsfähig. Mit dem parlamentarische Prozess kamen aber (wie so oft) viele Köchinnen und Köche hinzu, welche alle in der Suppe rühren wollten, würzten und immer neue Zutaten reingaben. Nicht nur die Linke legte sich naturgemäss ins Zeug. Auch die Mitte und die FDP rührten kräftig im Zaubertrank und warfen ein paar Filetstückchen für die Grossverleger rein, um ihre politischen Seilschaften bei Laune zu halten. Das ging solange gut, bis dieselbe Partei bei der Parolenfassung umschwenkte und beim Anblick des inzwischen zur Brühe gewordenen Mahls angeekelt die Arme verschränkte und laut Nein! rief. Inzwischen hatten wehrhafte Mannen aus dem Dunstkreis von Gut, Köppel und Weigelt den Topf umstellt und zuvor noch kräftig reingespuckt. Süffisant warfen sie ein paar Wochen vor dem Abstimmungstermin noch eine gehörige Portion Gift rein. Inhalt: ein Video aus einer «vertraulichen» Blick-Redaktionssitzung mit dem plappernden Blick-CEO, wo dieser die tumben Journis auf bundesrätlichen Kadavergehorsam in der Corona-Krise einschwören wollte. Das Video war zwar schon ein Jahr alt, aber egal – das Gift mit dem Namen «Staatsmedien» war drin. Fortan hatten die parlamentarischen und verbandspolitischen Suppenverkäufer aller Couleur noch mehr Mühe, das Schmackhafte und Nährende der Suppe dem coronamüden Stimmvolk näherzubringen. Im ganzen Tohuwabohu ging etwa unter, dass vor allem die Randregionen profitiert hätten. Kleine Verlage, denen man mit einer stärkenden Essenz bei der digitalen Umstellung geholfen hätte, etwa. Aber auch die Spezial- und Fachmedien, Weiterbildung und Ausbildungszentren hätten profitiert. Auch dem darbenden Presserat hätte man ein paar stärkende Löffel hingestreckt.

Leider kam es anders, oder so wie befürchtet: das Stimmvolk rief am Sonntag laut und deutlich «Nein, diese Suppe ess ich nicht!». Man kann es ihm nicht verargen, die anfänglich stärkende Bouillon – pardon Zaubertrank, war zur unansehnlichen Brühe verkommen. Ob der Topf nun ganz ausgeleert wird, wie es die rasselnde Suppenkasper-Truppe möchte, oder ob der Inhalt ausgedünnt nochmals serviert wird, ist offen. Jedenfalls bleibt ein schaler Nachgeschmack über ein weiteres Lehrstück schweizerischer Konkordanzpolitik zurück. Zu viele wollten ihre Finger drin haben und am Schluss wollte niemand schuld sein, warum das Gericht niemandem mehr schmeckte. Schade für die Suppe.

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